Projekt „Der Wolf kehrt zurück“

Wie keine andere Tierart wurde der Wolf mit enormer Vehemenz und Kompromisslosigkeit verfolgt und daher in vielen Ländern Europas ausgerottet. Ende des 19. Jahrhunderts erloschen in West- und Mitteleuropa die letzten Bestände. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch stark geändert. Die Schalenwilddichte hat enorm zugenommen, der Verfolgungsdruck hat nachgelassen und die gesamteuropäischen Schutzbemühungen zeigen Wirkung. Außerdem gibt es mittlerweile eine stärker naturschutzorientierte Gesetzgebung. Dies und eine geänderte Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem Wolf ließ die Wolfsbestände ansteigen. Somit können die Wölfe, wie viele andere Tierarten auch, ihre früheren Lebensräume auf natürliche Weise wieder besiedeln.

WWF

In den letzten Jahren hat die Zahl der Wolfshinweise in Österreich wieder zugenommen. Seit 2016 gibt es sogar wieder regelmäßig Nachwuchs. Ende 2019 wurden in Österreich neben zwei Wolffamilien noch mindestens 13 weitere Einzelwölfe nachgewiesen. Die Experten gehen von 30 bis 35 Wölfen aus. Diese Entwicklung ist auch für die anderen Wolfspopulationen in Mitteleuropa gut. Denn Österreich spielt eine wichtige Rolle als Schnittstelle für die Vernetzung der verschiedenen europäischen Wolfspopulationen.

WWF Aktionsprogramm:
In den nächsten Jahren ist mit einem verstärkten Auftreten des Wolfes in Österreich zu rechnen. Was positiv für unsere Natur ist, sorgt gleichzeitig für Konflikte. Wie weit diese Konflikte gehen können, wurde im Sommer 2019 deutlich. Im Juli wurde in Tirol der Kadaver eines Wolfes gefunden. Das Tier wies eine Schusswunde auf und der Kopf war abgetrennt.
Der WWF hat gemeinsam mit Praktikern und aufbauend auf den Erfahrungen von anderen Ländern ein Aktionsprogramm ausgearbeitet, das die Basis für ein möglichst konfliktfreies Miteinander bilden soll. Ziel ist es sowohl die EU-Rechtslage und die Naturschutzsicht, als auch die Anliegen von Landwirten und anderen Interessensgruppen zu berücksichtigen.

1. Herdenschutz finanzieren und ausbauen:
Die Bedenken von Nutztierhaltern müssen ernst genommen werden. Herdenschutz muss fachgerecht ausgeführt und an die jeweilige regionale Situation angepasst werden, um zu funktionieren. Es braucht eine bessere finanzielle und technogische Unterstützung von Tierhaltern, klare Regelungen und Ansprechpartner. Derzeit existiert in Österreich kein ausreichend dotierter Fördertopf für Zäune, Hirten oder Herdenschutzhunde und es gibt auch keine bundesweit einheitliche Regelung für diese Präventionsmaßnahmen. Herdenschutz sollte besonders in der Anfangszeit, wenn die größten Investitionen anfallen, intensiv gefördert werden.

2. Entschädigungstopf einrichten: rasch, unbürokratisch und ausreichend helfen:
Zwar machen Nutztiere oft weniger als ein Prozent der Nahrung von Wölfen aus (2019 wurden Österreich weit insgesamt 103 Schafe nachweislich von Wölfen gerissen). Dennoch wiegt jeder Verlust für die Betroffenen schwer. Bei Tierverlusten, die trotz sachgerechtem Herdenschutz auftreten und eindeutig auf den Wolf zurückzuführen sind, müssen die Betroffenen rasch, unkompliziert und ausreichend entschädigt werden.

3.  Monitoring und Forschung verstärken:
Die Basis für alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen bildet das Wissen über den Wolf. Daher muss die kontinuierliche Datenerhebung und wissenschaftliche Dokumentation der Wolfsvorkommen intensiviert werden. Um ein flächendeckendes Bild zu erhalten, muss die Erhebung und Aufbereitung der Daten österreichweit einheitlich erfolgen, ausreichend finanziert, sowie technologisch auf dem neuesten Stand sein.

4. Seriös informieren, Panikmache einstellen:
Zu einer offenen und ehrlichen Kommunikation und Aufklärung gehört sachliche Information über aktuelle Nachweise von Wölfen in Österreich und über ihr Verhalten ebenso, wie die tatkräftige Unterstützung der Betroffenen bei der Schadensvorbeugung. Hingegen verhindern Angstmache und die Verbreitung von Falschmeldungen ein konfliktarmes Miteinander, auf Basis der europäischen Naturschutz-Vorgaben.

5. Stärkung Österreichzentrum Bär-Wolf-Luchs.
Das Anfang 2019 gegründete „Österreichzentrum Bär-Wolf-Luchs“ war ein wichtiger Schritt in Richtung eines bundesweit abgestimmten Managements der großen Beutegreifer. Doch die Arbeit brachte bis jetzt noch keine entscheidenden Verbesserungen für das Wolfsmanagement in Österreich. Der WWF fordert deshalb, dass das Österreich-Zentrum rasch mit der Umsetzung der oben genannten Punkte beginnt. Dafür muss das Zentrum von Ländern und Bund auch mit mehr Mitteln ausgestattet werden.

 

Projektkosten:  20.000,- Euro